Landesgartenschau 2004 Kehl/Straßburg

Große Politik und gesellschaftliche Veränderungen wirken oft in ungeahnte Richtungen. Während sich im zusammenwachsenden Europa der 90er Jahre viele Diskussionen um Wirtschaftsfragen, Pro und Contra drehen, sinnen einzelne Köpfe über Ideen nach, die das kontinentale Zusammenrücken unmittelbar zu den Menschen tragen können. Der Straßburger Stadtrat Michel Krieger war einer dieser Visionäre, der mit seiner vagen Idee eines grenzüberschreitenden Symbols für Europas neue Einheit den Grundstein für die Landesgartenschau 2004 in Kehl und Straßburg legte.

Die Idee

Kehl und Straßburg sind vis-à-vis am Rheinufer gelegen. Beide Orte können eine lange Geschichte von Krieg und Frieden, Trennung und Gemeinsamkeiten erzählen. Während in Europa die Grenzen mit dem Schengener Abkommen praktisch verschwinden, bleibt der Rhein weiter eine geografische Trennungslinie. In Michel Krieger wächst dieser Tagen der Gedanke, einen Brückenschlag über den Fluss zu unternehmen und im Entstehen einer gemeinsamen Landschaft das Zusammenwachsen des Kontinents abzubilden.

Eine Vision nimmt Gestalt an

Die Idee findet auf beiden Rheinseiten schnell Anhänger und 1996 starten Kehl und Straßburg eine gemeinsame Bewerbung für die Landesgartenschau 2004. Mit dem Konzept eines Gartens der zwei Ufer, dem Jardin des Deux Rives, der auch später noch grenzübergreifender Bürgerpark bleiben sollte, sichern sich die Gemeinden 1997 den Zuschlag. Ein europaweiter Wettbewerb fördert viele Ideen für die landschafts- und städtebauliche Umsetzung zutage. Erste Planungen einer neuen Rheinbrücke, die das Landschaftsprojekt auch baulich als Einheit manifestiert, kommen auf. Sie nimmt im Rahmen des Gewinner-Konzepts der Essener Arbeitsgemeinschaft Brosk/Abirgas+Wienstroer bald konkrete Formen an und wird später nach den Entwürfen des Architekten Marc Mimram realisiert.

Am 23. April 2004 wird die Landesgartenschau in Kehl und Straßburg gemeinsam mit der neuen Rheinbrücke feierlich eröffnet.

Das Gelände und seine zentralen Attraktionen

Auf beiden Rheinseiten erstreckt sich das Terrain der Gartenschau über 61 Hektar, 27 in Kehl und 34 Hektar in Straßburg. 1,4 Millionen Besucher finden bis zum 10. Oktober 2004, dem Schlusstag der Schau, den Weg auf das weitläufige Gelände. Die Kehler Innenstadt rund um Bahnhof und Stadthalle ist großflächig umgestaltet worden und bildet zur Gartenschau eine Verbindung zum Rheinufer mit vielen Spazierpfaden, Spielmöglichkeiten, Wasserspielen und Kunstinstallationen. Hunderte Bäume und tausende Sträucher wurden eigens für die Schau auf dem Gelände neu gepflanzt. Der 44 Meter hohe Weißtannenturm erlaubt einen endlosen Blick über den Rhein und Straßburg bis hin zum Schwarzwald und den Vogesen. Drei riesige Baumstämme aus dem Kinzigtal bilden mit einem filigranen Stahlnetz das Gerüst für den Aussichtsturm, der sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Passarelle zwischen Straßburg und Kehl
Passarelle zwischen Straßburg und Kehl, Fotograf: Markus Braun

Diese Anlagen verbindet die Passerelle des Deux Rives mit der Straßburger Rheinseite und ihrem Teil des Gartenschaugeländes. An einer 38 Meter hohen Pylone tragen knapp vier Kilometer lange Stahlseile einen Fußgängerpfad und einen Radweg über den mehr als 230 Meter breiten Fluss. Eine große Plattform lädt zum Verweilen ein. Auf der französischen Seite erwarten mehrere unterschiedlich gestaltete Gärten in Ellipsenform die Besucher. Eine begehbare Wasserwand entwickelte sich zu den Hauptattraktionen des Straßburger Geländes.

Kosten, Sponsoren und die Zeit danach

Insgesamt müssen für die Landesgartenschau Mittel in Höhe von 23 Millionen Euro aufgebracht werden. Der Bau der Passerelle kostet weitere 21 Millionen Euro. Die Partner der Schau teilen sich die Ausgaben in etwa hälftig auf. Auf deutscher Seite fließen knapp vier Millionen aus Landeszuschüssen in das Projekt. Regionale Sponsoren wie die Otto Nußbaum GmbH & Co. KG, die Sparkasse Hanauerland, die Volksbank Bühl, Kehler Druck oder die Stadt Kehl unterstützen ebenfalls die Schau und ihr Rahmenprogramm mit Konzerten unter freiem Himmel und in den Kirchen der Stadt.

Nach Beendigung der Schau sind einige Hektar des Kehler Geländes zurückgebaut worden. Geblieben ist den Kehlern und Straßburgern ein 56 Hektar großer Bürgergarten, der bis heute ein beliebtestes Freizeitressort für die Einwohner und Besucher der Städte ist.

Weiterführende Links

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